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Gewaltprävention – das Grundlagenbuch

Das umfassende Lesebuch zum Thema Gewaltprävention mit Kindern und Jugendlichen: Handfeste Hilfestellungen für Lehrer/innen und Pädagog/innen an der Grundschule, an weiterführenden Schulen, aber auch in Jugendeinrichtungen oder Sportvereinen.

Heero Miketta: Gewaltprävention mit Kindern und Jugendlichen

Pressemeldung “Amoklauf” vom 12.03.2009

Pressemeldung Prävent
vom 12.03.2009

Prävention statt Populismus:
Amoklauf-Vorbeugung geht nur über bessere Schulpolitik

„Und niemand weiß, warum“ – „Unfassbare Tragödie“ – „Unvorhersehbar“ – mit solchen Worten kommentieren Medien und Politik den jüngsten Amoklauf an einer Schule. Stellenweise bleibt das Gefühl, dass Politiker das Thema zum Wahlkampf machen wollen – dabei entsteht mit populistischen Tönen nur eine Plattform für den nächsten öffentlichkeitshungrigen Amokläufer… während die eigentlichen Ursachen unterzugehen drohen.

In der entstehenden öffentlichen Diskussion ist positiv zu vermerken: Nicht „Killerspiele“ als vermeintliche Ursache stehen im Vordergrund der Diskussion, wie es in der Vergangenheit leider oft der Fall war. Stattdessen haben Politiker und Experten mittlerweile bemerkt: Es scheint sich beim Täter um einen hilflosen Außenseiter zu handeln, der mit seiner Tat Aufmerksamkeit heischen und mit einem großen Knall als Rächer sein Leben beenden will.

Leider führt diese Erkenntnis nicht dazu, dass Politiker und Experten für mehr Ruhe nach der Tat sorgen. In epischer Breite wird das Geschehen ausgeschlachtet, die Bühne bereitet für Folgetaten.

Dabei gerät die wichtigste Frage ins Hintertreffen: Wie kommt es, dass es immer wieder Amokläufe gibt? Was hat diesen Trend eingeleitet und wie kann man ihn stoppen?

Mobbing, Bullying und Virtualisierung angehen: Gewaltprävention statt Denunziation

Wer Amokläufe verhindern will, sollte nicht die Schulen mit Wachpersonal und Waffenkontrollen aufrüsten – und schon gar nicht Vorbeugungsprogramme starten, die auf Beobachtung und Denunziation möglicher Täter setzen. Nun sollen also andere Schüler in die Verantwortung genommen werden, die Eltern, Politik und Schule bisher nicht getragen haben. Dass das Beobachten der Schüler untereinander das Problem von Außenseitern nur verschärft, die unter Generalverdacht geraten, auch noch potenzielle Mörder zu sein, ist eigentlich logisch. Die Folgen haben wir beim angeblichen Amoklauf in Köln gesehen, bei dem ein Unschuldiger zum Täter stilisiert wurde – mit schrecklichen Folgen.

Stattdessen sollten wir einen Blick auf die Struktur eines Schulsystems werfen, das den Schülern keine Antworten auf die für sie wesentlichen Fragen gibt. Für soziales Lernen ist in einem kaputt gesparten Schulsystem kein Platz, trotz PISA-Druck und wachsenden Anforderungen an die Schule als Erziehungseinrichtung fließen Milliarden heute eher in marode Banken als in die Verbesserung der Bildung.

Die meisten Maßnahmen zur Verbesserung dieser Situation entpuppen sich als Feigenblätter, die einen guten Eindruck machen, aber nicht nachhaltig wirken. Dabei wäre der erste Schritt eine bessere Unterstützung von Lehrern, die auf ihre wachsenden Aufgaben nur bedingt vorbereitet sind – der zweite Schritt kleinere Klassen und bessere pädagogische Betreuung – der dritte Schritt Maßnahmen zum sozialen Lernen und zur Gewaltprävention.

Vor allem der letzte Teil ist ein wichtiges Problem: Mobbing (auch im Internet), Bullying und das verstärkte Ausgrenzen von Einzelgängern sind in einer zunehmend virtualisierten Welt tägliche Probleme, die kaum bearbeitet werden können. Das gilt sogar für Schulsysteme, die allen anderen Ansprüchen gerecht werden – wie etwa dem finnischen, das zwar in PISA gut abschneidet, aber dennoch genug sozialen Druck auf die Schüler aufbaut, dass es auch dort zu Amokläufen kommt.

Präventionsarbeit sollte also nicht auf die möglichen Täter alleine zielen – sondern vor allem ihr Umfeld einbinden. Denn nicht selten sind die, die sich hinterher entsetzt zeigen, die gleichen, die zuvor mit Druck und Mobbing den Täter erst ins Aus getrieben haben.

Das bedeutet aber auch: Wer jetzt hilflos vor der Frage steht, wie Amokläufe zu verhindern wären, kann sofort aktiv werden. Es sind viele kleine Schritte im täglichen Schulalltag, die gemeinsam eine Atmosphäre schaffen, in der Einzelgänger nicht zu Mördern werden.

Mittelkürzungen und fehlende Jugendarbeit

Statt sich dieser schwierigen und langfristigen Arbeit zu stellen, fahren Politiker Maßnahmen der Jugendhilfe und Jugendarbeit herunter: Betreuungs- und Beratungsangebote, Freizeit- und Erlebnispädagogik, aber auch offene Jugendarbeit werden schlichtweg gestrichen.

Die Jugendlichen (und deren ratsuchende Eltern) werden systematisch nach Hause geschickt. Wer auf diese Weise allein gelassen wird, hat keine Lösungsmöglichkeiten für seine Probleme. Der Amoklauf im Extremfall wird zum Medienereignis. Aber die vielen anderen Probleme – von der Magersucht bei weiblichen Jugendlichen über aggressives Auftreten bei männlichen Jugendlichen – gehen im Alltag unter.

Hier gibt es Verbesserungspotenziale – und konkrete Hilfestellungen, die Eltern und Lehrer sofort nutzen können.

Mehr Informationen zum Thema:

Prävent e.V., http://www.praevent.net, orga@praevent.net

Praktische Jungenarbeit

Im Wettkampf der Geschlechter sind die Jungen nach wie vor Spitzenreiter: Sie führen in der Kriminalitätsstatistik, brechen am häufigsten ihre Schulausbildung ab und tauchen in Beschwerden von Lehrern und Eltern am häufigsten auf. Bei den schulischen Leistungen allerdings liegen sie weit hinten: Ob Schulnoten oder Qualität des Schulabschlusses – die Mädchen sind vorbeigezogen. Müssen wir uns Sorgen um die Männer von morgen machen? Andrea Pracht und Heero Miketta haben sich auf die Suche nach Antworten gemacht getragen von langjähriger Praxis in Gewaltprävention und geschlechtsspezifischer Arbeit. Entstanden ist dabei ein handfester Praxisratgeber für die Arbeit mit Jungen und den Start eigener Jungenarbeit in Schulen oder Jugendeinrichtungen. Geschrieben für Lehrer, Pädagogen und Jugendarbeiter, die aktiv werden möchten. Aber auch für Eltern, die wissen wollen, wie sie ihre Kinder unterstützen können.

Andrea Pracht, Heero Miketta: Praktische Jungenarbeit

Pressemeldung “Killerspiele” vom 23.11.2006

Pressemeldung vom 23. November 2006

Hilflose Diskussion um Amokläufer
Killerspiele sind nicht Ursache. Sondern Symptom.

Dieser Tage sind sie wieder überall zu hören: Politiker, die als „Sofortmaßnahmen“ nach dem Amoklauf in Emsdetten „Killerspiele“ sofort verbieten wollen. „Vollkommen sinnloses Herumdoktern an Symptomen“, sagen die Gewaltpräventionsexperten von Prävent e.V. „Das Problem liegt in einem immer weiter nachlassenden Schulsystem – und an einer virtualisierten Gesellschaft, die mit Konflikten nicht mehr umgehen kann.

Eine glatte Umkehrung der wirklichen Tatsachen ist die derzeitige Diskussion in der Politik – denn nicht etwa diejenigen, die sogenannte Killerspiele spielen, werden zwangsläufig zu Amokläufern. Eher lässt sich sagen, dass ein potenzieller Amokläufer vermutlich auch gewaltverherrlichende Computerspiele spielt.

Das Versinken in virtuellen Welten ist lediglich ein Anzeichen dafür, dass ein Jugendlicher Probleme hat. Wer sein Leben im wesentlichen vor Fernseher oder Computer verbringt, seine Welt aus bunten Multimediabildern zusammensetzt, verpasst die wesentlichen Themen und wird seine Probleme auf diese Weise nicht in den Griff bekommen.

Allerdings ist auch ein übermäßiger Konsum von Soap Operas oder Gerichtsshows dem Sozialverhalten sicher nicht zuträglich. Und es handelt sich dabei weniger um Auslöser kritischer Situationen als vielmehr um die Auswüchse einer Gesellschaft, die mehr und mehr virtuelle Welten an die Stelle echter Erlebnisse setzt – von der frühen Kindheit an bis ins hohe Erwachsenenalter.

Virtualität ist nichts schlechtes, das Internet ein wertvolles und intelligentes Medium – wenn es richtig genutzt wird. Statt der jetzt wieder überall fälligen Verteufelungen wäre eine gezielte Heranführung an Internet und Computer sinnvoll. Auch für die Eltern, die in vielen Fällen das Medium selbst gar nicht kennen – hier ist selbstverständlich gezielte Elternarbeit erforderlich.

Kürzungen, Einsparungen, Jugendliche werden allein gelassen

Der Diskussion um Computerspiele und Internet gegenüber steht eine konsequente Vorgehensweise der Politik, die Jugendliche mehr und mehr alleine lässt.

Parallel zur schlechten Schulversorgung fahren Politiker Maßnahmen der Jugendhilfe und Jugendarbeit herunter: Betreuungs- und Beratungsangebote, Freizeit- und Erlebnispädagogik, aber auch offene Jugendarbeit werden schlichtweg gestrichen.

Die Jugendlichen (und deren ratsuchende Eltern) werden systematisch nach Hause geschickt. Wer auf diese Weise allein gelassen wird, hat keine Lösungsmöglichkeiten für seine Probleme. Der Amoklauf im Extremfall wird zum Medienereignis. Aber die vielen anderen Probleme – von der Magersucht bei weiblichen Jugendlichen über aggressives Auftreten bei männlichen Jugendlichen – gehen im Alltag unter.

Pressemeldung “Rütli” vom 03.04.2006

Pressemeldung vom 3. April 2006

Rütli-Hauptschule Neukölln: Gewalt ist KEIN Schulproblem
Wie marode ist das Schulsystem?

Die Gewalteskalation an einzelnen Schulen beherrscht dieser Tage die Presse. Polizeieinsätze werden gefordert, Sofortmaßnahmen sind gewünscht. Der falsche Weg, sagt Prävent e.V. – Verein für Gewaltprävention, der seit vielen Jahren an Schulen in diesem Bereich arbeitet.

Die Polizei kann die Fehler einer verfehlten Schulpolitik nicht ausbaden. Im PISA-Schock setzen Schulen immer mehr auf die Vermittlung von FACH-WISSEN, wo sie in kälter werdendem gesellschaftlichen Umfeld eigentlich pädagogische Aufgaben wahrnehmen müssten.

Wer an Hauptschulen wie in Berlin nur Schüler sammelt, die schon jetzt auf eine trostlose Zukunft mit geringen Chancen am Arbeitsmarkt blicken können (an vielen Schulen – auch im Bergischen – finden nur 10 Prozent der Hauptschüler eine Ausbildungsstelle!), muss sich über Eskalationen nicht wundert. Wer dann noch Migrationsprobleme und fehlende finanzielle Mittel für die Gestaltung der Schule in diese Problemlage mischt, sollte zumindest die Lehrer perfekt qualifizieren.

Fehlanzeige.

Was Gewalt und Konflikte angeht, sind die Lehrer völlig alleingelassen. Das gilt nicht nur für Hauptschulen, sondern für jede Schulform, auch in NRW. Lehrer werden für das Unterrichten von Fachwissen ausgebildet – aber dann mit Konflikten und sozialen Problemen konfrontiert.

Hier sind Hilfen notwendig. Für Lehrer, aber auch für Eltern und Schüler.

  • Was genau ist Gewalt eigentlich?
  • Wie entsteht sie?
  • Wo begegnen wir ihr – jeden Tag, im Alltag?
  • Und wie machen wir das so, dass Konflikte nicht vollkommen eskalieren?
  • Wie schaffen wir Selbstschutz und Selbstbehauptung?
  • Und wie gehen wir mit anderen so um, dass sie sich respektiert fühlen?

Harte Arbeit.

Prävent e.V. – hervorgegangen aus der Präventions-Arbeit der Polizei in Bergisch Gladbach – beschäftigt sich mit genau diesen Themen seit 1999: Selbstbehauptung für Mädchen und Frauen, Lehrerschulung zum Thema Gewaltprävention, Trainings für Schülerinnen und Schüler.

“Spielstunde”

Dieses Buch gehört in jede Trainingstasche! Spiele sind wesentliche Elemente in jeder Trainings- oder Unterrichtsstunde. Daher ist es besonders wichtig, dass diese kreativ und anspruchsvoll sind.Überraschen Sie ihre Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit 225 neuen und alten Spielideen rund um die Themen Geschicklichkeit, Ringen und Raufen, Mut und Vertrauen sowie Spiele für Kampfkünstler mit und ohne Übungswaffen.

Patrick Ehrmann: Spielstunde