Pressemeldung “Killerspiele” vom 23.11.2006

Pressemeldung vom 23. November 2006

Hilflose Diskussion um Amokläufer
Killerspiele sind nicht Ursache. Sondern Symptom.

Dieser Tage sind sie wieder überall zu hören: Politiker, die als „Sofortmaßnahmen“ nach dem Amoklauf in Emsdetten „Killerspiele“ sofort verbieten wollen. „Vollkommen sinnloses Herumdoktern an Symptomen“, sagen die Gewaltpräventionsexperten von Prävent e.V. „Das Problem liegt in einem immer weiter nachlassenden Schulsystem – und an einer virtualisierten Gesellschaft, die mit Konflikten nicht mehr umgehen kann.

Eine glatte Umkehrung der wirklichen Tatsachen ist die derzeitige Diskussion in der Politik – denn nicht etwa diejenigen, die sogenannte Killerspiele spielen, werden zwangsläufig zu Amokläufern. Eher lässt sich sagen, dass ein potenzieller Amokläufer vermutlich auch gewaltverherrlichende Computerspiele spielt.

Das Versinken in virtuellen Welten ist lediglich ein Anzeichen dafür, dass ein Jugendlicher Probleme hat. Wer sein Leben im wesentlichen vor Fernseher oder Computer verbringt, seine Welt aus bunten Multimediabildern zusammensetzt, verpasst die wesentlichen Themen und wird seine Probleme auf diese Weise nicht in den Griff bekommen.

Allerdings ist auch ein übermäßiger Konsum von Soap Operas oder Gerichtsshows dem Sozialverhalten sicher nicht zuträglich. Und es handelt sich dabei weniger um Auslöser kritischer Situationen als vielmehr um die Auswüchse einer Gesellschaft, die mehr und mehr virtuelle Welten an die Stelle echter Erlebnisse setzt – von der frühen Kindheit an bis ins hohe Erwachsenenalter.

Virtualität ist nichts schlechtes, das Internet ein wertvolles und intelligentes Medium – wenn es richtig genutzt wird. Statt der jetzt wieder überall fälligen Verteufelungen wäre eine gezielte Heranführung an Internet und Computer sinnvoll. Auch für die Eltern, die in vielen Fällen das Medium selbst gar nicht kennen – hier ist selbstverständlich gezielte Elternarbeit erforderlich.

Kürzungen, Einsparungen, Jugendliche werden allein gelassen

Der Diskussion um Computerspiele und Internet gegenüber steht eine konsequente Vorgehensweise der Politik, die Jugendliche mehr und mehr alleine lässt.

Parallel zur schlechten Schulversorgung fahren Politiker Maßnahmen der Jugendhilfe und Jugendarbeit herunter: Betreuungs- und Beratungsangebote, Freizeit- und Erlebnispädagogik, aber auch offene Jugendarbeit werden schlichtweg gestrichen.

Die Jugendlichen (und deren ratsuchende Eltern) werden systematisch nach Hause geschickt. Wer auf diese Weise allein gelassen wird, hat keine Lösungsmöglichkeiten für seine Probleme. Der Amoklauf im Extremfall wird zum Medienereignis. Aber die vielen anderen Probleme – von der Magersucht bei weiblichen Jugendlichen über aggressives Auftreten bei männlichen Jugendlichen – gehen im Alltag unter.

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